20 Jahre an der Trommel Der Klang der Songs von Santana, hatte mich schon als junges Mädchen in seinen Zauber gezogen. Mit 19 Jahren fing alles an. Nach dem Abitur hatte ich den unbändigen Wunsch, nun etwas ganz besonderes erleben zu wollen. Da war meine spanische Gitarre, mit der ich mich eben an jenen Santana- Klängen versuchte.
Dann hatte ich noch die Kongas entdeckt, an denen ich erste Trommel-versuche unternahm. Mein Entschluss hieß: „Ich will richtig trommeln lernen, und zwar in Afrika, aber wie komme ich dort hin?“ In den siebziger Jahren nimmt diese Geschichte ihren Anfang, einer Zeit in der der Boom der am Meer trommelnden Touristen begann. Zu denen wollte ich mich nicht zählen. Mein Ziel hieß Afrika. Die Begegnung mit einem Ghanaer, der mich auf einen Besuch einlud, rückte die Erfüllung des Traumes ein Stück näher. Alle Versuche meiner Eltern, mich von dieser Idee abzubringen, scheiterten und so begab ich mich gleich nach dem Abi auf die Reise. Mein erster Eindruck von dem afrikanischen Kontinent stammte aus einer Millionenstadt. In Accra schlug mir die Hitze entgegen und die Distanzen ohne Licht schienen fast unüberwindbar. Da war schon ein wenig Unbehagen im leib…“Das schaffst Du, mach jetzt keinen Rückzieher.“ Nach einigen Stationen landete ich dann richtig im Busch.
Meine Suche nach einem Trommellehrer gestaltete sich schwierig. Nach vielen Begegnungen fand ich dann schließlich doch "meinen" Lehrer und Meister in Burkina Faso. Von einer kurzen Rückkehr nach Deutschland abgesehen, lebte ich von nun an in Afrika und unterrichtete vor allem Europäer im Trommeln. Dort wurden auch meine Kinder geboren und nach 7 Jahren in einer polygamen Ehe lebend kehrte ich dann nach Deutschland zurück.
Meine Lehre, mein Beruf, mein gesamtes Leben hatte ich mit den Trommeln verbunden. Meine ganze Persönlichkeit ist geprägt von den Formen der Schläge und dem Rhythmus….
Trommeln und was dahinter steckt
Es ist schon viel über afrikanische Trommeln geschrieben worden und unter verschiedenen Gesichtspunkten.Ich glaube nicht, dass ich etwas grundlegend Neues dazu beitragen kann, es sei denn meine Erinnerung an meine erste Begegnung mit der afrikanischen Trommel, an die Zeit des Erlernens, an meine Zeit als Mitglied in einer afrikanischen Musikgruppe, und als Lehrerin.
Meine Beziehung zu diesem Instrument und meine Erfahrungen werden immer zutiefst persönlich sein. Ich überlasse es jedem der über die Gelegenheit und genügend Offenheit verfügt um sich für dieses Instrument zu interessieren, es mir gleich zu tun. Jeder Mensch ist in der Lage, zu dem Instrument für das er sich interessiert, eine persönliche Beziehung aufzubauen. Um nicht zu wiederholen was bereits über afrikanische Trommeln gesagt wurde, berichte ich lieber über meine eigenen Erfahrungen.
Fasziniert von der Gitarre und dem Schlagzeug in Jungen Jahren entdeckte ich alsbald den rhythmischen Klang der Trommel, und seither lässt mich dieser Klang nicht mehr los. Aber was ist das für ein Instrument fragte ich mich, als ich zum ersten Mal Bongo-Trommeln in den Händen hielt-…ein hohles Stück Holz, das mit einer Tierhaut bespannt ist, die durch einen Schlag in Schwingungen versetzt werden kann, wodurch kurze, rhythmische Töne entstehen, alles durchdringend und elektrisierend....Melodien voll geheimer Botschaften…
Als ich mich einige Zeit später im Reich der „Kpanlogo“* wieder fand(Trommel die in Ghana hergestellt wird), meine erste echte afrikanische Trommel in der Hand, as die Hände blau und rot waren und schmerzten, als ich mit müden Augen den erstickten brillanten Klang des „Slap“ suchte, als mich intensive Übungen völlig in den Bann der Trommel zogen, hielt ich inne und stellte überglücklich fest, wie jeder kleine tägliche Schritt mich dieser neuen Sprache ein Wenig näher brachten. Es ist die Sprache der Eingeweihten, der großen Trommler und Magier. Als es mir schließlich gelang meiner Trommel die ersten Töne zu entlocken, und es schien sich in der Ferne eine geheime Tür zu öffnen zu dieser alten afrikanischen Tradition, der Verständigung durch die Trommel. Der Wechsel von klangvoll schwingenden Bass-Tönen zu brillanten klaren „Slaps“ ließ meine Ängste schwinden, und ich fühlte mich durchdrungen von dieser afrikanischen Sprache des Tam –Tam, zu der nur die Menschen den Schlüssel besitzen. Des Nachts plagten mich nicht mehr quälende Träume, in denen mein Gestammel sich zu einem ganzen Satz formen wollte, (oder : Des Nachts sind meine Träume ruhiger geworden und mein Gestammel war nicht mehr so wirr.) Die Beherrschung der verschiedenen Klangfarben in gleichmäßigen Abständen ist die Grundlage jedes Satzes dieser Sprache.Ich hatte gelernt das Beste von mir zu geben, und dies war auch die Beste Art, das zu erhalten, was mir Afrika mit so viel Liebe schenkte. Wenn beim Aufwachen meine Hände über die gespannte Haut der Trommel gleiten, wird mein Blut in Schwingungen versetzt, und ich beginne mit meinem Instrument zu reden. Jeder Schlag ist eine Silbe, die zusammen mit anderen einen melodischen Satz ergibt, der eine Botschaft enthält. Seither habe ich andere Völker und auch mein eigenes Volk mit anderen Augen sehen gelernt, weil ich offener geworden bin. Mehr als 10 Jahre im Lande der „Kpanlogo“ haben mich letztendlich alle Furcht überwinden lassen und mir geholfen, die andere nunmehr meine Kultur in mich aufzunehmen. Aber wovor habe ich jemals Furcht empfunden, vor nichts, ausser vielleicht davor, mein neues Amt, die Musik und die Kultur Afrikas zu verbreiten, und mit Würde zu bekleiden.
In einer Sommernacht in Afrika hebe ich die Bekanntschaft mit meiner Furcht gemacht und die ausgestreckte Hand des geheimnisvollen Afrikas, des Afrikas der Initiierten ergriffen. Meine Furcht begann erst, nachdem ich dem Unbekannten begegnet war, denn die Furcht vor dem unbekannten schränkte die Möglichkeit ein, meine innere Kraft zu Hilfe zu rufen.Es begann alles nach einem langen Übungstag.Es war sehr heiß gewesen, es war Juni, die Zeit der großen Hitze. Wir hatten viel Stunden ohne Unterbrechung gespielt.
Zum ersten Mal war es mir gelungen, der Djembé, die mir der Trommellehrer anvertraut hatte, endlich den Unterschied der verschiedenen Klangfarben in das Trommelspiel umzusetzen. ich hatte den Eindruck, dass sich meine Technik erheblich verbessert hatte, denn die Töne, wurden immer klarer. Doch der Lehrer schien meine „klangvolle“ Gegenwart in der Gruppe überhaupt nicht wahrzunehmen. Ich hatte plötzlich das Gefühl, es fehle trotzdem etwas. Zwar beglückwünschte mich der Lehrer nach der Übungsstunde zu meinen Fortschritten in der Technik, aber er wies darauf hin, dass die Kunst des Trommelns nicht nur in der Tonbildung liege.
„Du musst lernen, mit den anderen in Verbindung zu treten, dein Instrument muss mit den anderen Instrumenten sprechen, nur so kannst du lernen , dich klar mit der Trommel auszudrücken! Die restlichen Stunden des Tages schienen mir endlos lang und unerträglich. In der Nacht konnte ich keinen Schlaf finden. Ich sah an die Decke der Hütte, und von Zeit zu Zeit auf mein Instrument. Ich hatte sie an das Fußende meines Bettes gestellt. Ich fragte mich was ich hier überhaupt zu suchen hatte. Ich wurde von Furcht ergriffen, und schloss die Augen.
Ich träumte, dass einige Männer einen Baum gefällt haben, um daraus Djembé Trommeln herzustellen. Nachdem sie den Baum gefällt hatten, sägten sie den Stamm in mehrere Teile. Einem Stück des Baumes gaben sie den Namen „Anatou“. Der Anführer der Arbeiter sah mich von der Zimmerdecke an, deutete mit der Axt auf das Stück des Stammes, das meinen Namen trug, und sagte: Sie wird klingen, und wir werden ihr zu Ehren ein Fest geben. Er kaute eine Kola Nuss, und spie den Rest auf mich. Eine Gruppe maskierter Tänzerinnen und Trommler begannen, um den Anführer zu tanzen, und zu singen, dieser machte sich daran den Baumstamm zu bearbeiten. Ich hatte den Eindruck langsam in Wasser einzutauchen, und auf den Meeresgrund herabgezogen zu werden. Ich steckte Hilfe suchend meinen Arm aus, um mich an der Axt des Meistertrommlers festzuhalten, der gerade den Stamm bearbeitete. Jeder Axthieb, den er dem Holz versetzte, nahm mir mehr und mehr den Atem, und ich konnte meine Stimme nicht erheben….Dieser Traum hat in mir Spuren hinterlassen und gab mir die Antwort auf meine Frage und die Anmerkung meines Trommellehrers. Ich fand den Weg zu meinem eigenen Ausdruck, nachdem gelernt habe, die Technik zu beherrschen. Von eigenen Erfahrungen zu sprechen ist zuweilen unangenehm, denn es gibt Dinge die man lieber für sich behalten möchte… Aber ich möchte mein Erlebnis all denen mitteilen, die sich für Trommeln interessieren…nicht nur um Erfahrungen auszutauschen sondern auch um ein wenig Mut zu machen…